„Du musst lernen, Grenzen zu setzen.“
Diesen Satz kennen wahrscheinlich viele.
Ich inzwischen auch.
Nur glaube ich, dass er bei mir am eigentlichen Problem vorbeigeht.
Denn mein Körper setzt meine Grenze oft lange bevor mein Mund überhaupt Nein sagt.
Mein Bauch wird eng.
Mein Hals macht zu.
Ich werde unruhig.
Etwas in mir zieht sich zurück.
Mein Körper sagt längst:
Hier stimmt etwas für mich nicht.
Und mein Kopf?
Der diskutiert.
Stell dich nicht so an.
Vielleicht interpretierst du zu viel.
Ist doch eigentlich gar nichts passiert.
Was denkt der andere, wenn du jetzt Nein sagst?
Also mache ich weiter.
Und irgendwann wundere ich mich, warum es mir damit scheiße geht.
Vielleicht müssen wir nicht lernen, Grenzen zu setzen
Vielleicht müssen wir zuerst aufhören, unsere Grenzen so lange wegzudiskutieren, bis wir sie nicht mehr hören.
Denn genau das habe ich verdammt gut gelernt:
Mein Gegenüber wahrnehmen.
Verständnis haben.
Situationen erklären.
Mich anpassen.
Nur eine Person habe ich dabei ziemlich häufig vergessen:
Mich.
Grenzen setzen lernen bedeutet für mich heute deshalb nicht, härter zu werden.
Es bedeutet, früher hinzuhören.
Wenn mein Bauch eng wird, muss ich nicht sofort wissen, warum.
Wenn sich etwas falsch anfühlt, brauche ich nicht erst drei Argumente, damit dieses Gefühl eine Berechtigung hat.
Ich darf stoppen.
Spüren.
Und mich fragen:
Will ich das gerade wirklich – oder versuche ich schon wieder, mein eigenes Nein in ein Ja zu verwandeln?
Denn eine Grenze ist nicht gegen den anderen.
Sie ist der Punkt, an dem ich aufhöre, mich selbst zu verlassen, nur damit Verbindung bestehen bleibt.
Und vielleicht ist genau das die unbequemste Frage:
Wenn mein Nein keinen Platz hat – wie viel ist mein Ja dann eigentlich wert?
Mein Körper wusste das übrigens schon ziemlich lange.
Ich war nur verdammt gut darin, ihn zu überhören.
Und jetzt du.
Wann hat dein Körper dir das letzte Mal längst ein Nein gezeigt, während dein Kopf noch versucht hat, ein Ja daraus zu machen?
Vielleicht musst du deine Grenzen nicht erst finden.
Vielleicht darfst du anfangen, sie ernst zu nehmen.
Und irgendwann wundere ich mich, warum es mir damit scheiße geht.
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