WAS BEDEUTET SELBSTSEIN?
Selbstsein bedeutet nicht, jemand anderes werden zu müssen.
Es bedeutet, herausfinden zu dürfen, was wirklich zu dir gehört.
Wir alle lernen im Laufe unseres Lebens, wie man „sein sollte“: was sich gehört, was normal ist, was eine Beziehung ausmacht, wann wir Ja sagen sollten und wann wir besser nichts sagen. Vieles davon hilft uns, miteinander zu leben. Manches passt zu uns. Manches irgendwann nicht mehr.
Selbstsein beginnt dort, wo wir neugierig darauf werden.
Nicht mit der Frage: „Was stimmt mit mir nicht?“
Sondern eher mit: „Was ist eigentlich meins?“
Ein Weg in vier Bewegungen
01 · Wahrnehmen
Was fühle ich? Was brauche ich? Was wünsche ich mir? Wo wird etwas eng, unangenehm oder zu viel? Und wo entsteht Freude, Neugier, Nähe oder Lebendigkeit?
Das klingt einfach. Ist es oft nicht. Denn manchmal sind unsere eigenen Bedürfnisse unter Erwartungen, Gewohnheiten, Ängsten und alten Strategien kaum noch zu erkennen.
Selbstsein bedeutet deshalb zunächst: sich selbst wieder zuzuhören.
02 · Verstehen
Nicht alles, was wir tun, haben wir bewusst gewählt. Manche Strategien haben wir irgendwann gelernt, weil sie funktioniert haben. Vielleicht vermeiden wir Konflikte, sagen Ja, obwohl wir Nein meinen, oder erfüllen Erwartungen, um Zugehörigkeit, Sicherheit oder Nähe nicht zu gefährden.
Das macht diese Strategien nicht automatisch falsch. Aber wir dürfen sie anschauen.
Hilft mir das heute noch? Oder möchte ich etwas verändern?
Dabei geht es nicht um Schuld. Es geht um Bewusstheit.
03 · Entscheiden
Wenn wir besser verstehen, was in uns passiert, entsteht etwas Wertvolles: Wahlfreiheit.
Ich darf Ja sagen. Ich darf Nein sagen. Ich darf etwas ausprobieren. Ich darf meine Meinung ändern. Ich darf feststellen, dass etwas, das gestern richtig war, heute nicht mehr passt.
Und ich darf Wünsche haben, ohne daraus einen Anspruch an andere zu machen.
Selbstsein bedeutet für uns deshalb auch Selbstwirksamkeit: zunehmend bewusste Entscheidungen für das eigene Leben treffen zu können.
04 · Begegnen
Selbstsein bedeutet nicht: Ich mache einfach, was ich will. Denn wir begegnen Menschen, die genauso eigene Grenzen, Bedürfnisse, Wünsche und Geschichten mitbringen. Genau dort wird Konsent wichtig.
Meine Freiheit braucht deine Freiheit. Mein Wunsch braucht dein freiwilliges Ja. Mein Nein darf genauso bestehen wie deins. Und ein Ja darf jederzeit wieder zu einem Nein werden.
Je leichter ein Nein sein darf, desto glaubwürdiger wird ein Ja.
Begegnung entsteht, wenn Unterschiede nebeneinander bestehen dürfen.
Anders sein dürfen
Menschen sind verschieden. Wir brauchen unterschiedlich viel Nähe und Distanz. Wir lieben unterschiedlich. Wir leben Beziehungen unterschiedlich. Wir wünschen uns unterschiedliche Formen von Gemeinschaft, Berührung, Sexualität, Ruhe, Abenteuer oder Sicherheit.
Und auch in uns selbst verändert sich vieles im Laufe unseres Lebens.
Selbstsein bedeutet deshalb nicht, eine feste Antwort auf die Frage „Wer bin ich?“ zu finden.
Vielleicht ist die spannendere Frage:
„Was stimmt gerade für mich?“
Und gleichzeitig neugierig darauf zu bleiben, dass die Antwort morgen eine andere sein darf.
Kein fertiges Ziel
Auch wir bei selbstsein.events haben darauf keine endgültigen Antworten. Wir sind Menschen, die sich selbst mit diesen Fragen beschäftigen, Erfahrungen machen, Fehler machen, lernen und sich weiterentwickeln.
Wir möchten niemandem erklären, wie ein richtiges Leben, eine richtige Beziehung oder ein richtiger Umgang mit den eigenen Bedürfnissen aussieht.
Wir möchten Räume schaffen, in denen Menschen neugierig werden können: auf sich selbst, auf andere, auf die eigenen Grenzen und Wünsche, auf neue Möglichkeiten – und vielleicht auch auf Seiten von sich, für die bisher wenig Platz war.
„Nicht weiter weg vom Normalen.
Sondern näher zu dir selbst.“
Das nennen wir Selbstsein.